Die Rhône ist kein Tal. Sie ist zwei Welten.
Jean-Michel Stephan hat 1991 angefangen. Mit drei Hektar, alten Reben und einer Überzeugung, die damals in der Côte-Rôtie niemand teilte. Was er seitdem aufgebaut hat, spricht für sich.
Kein Schwefel. Keine Filtration. Kein Klon, wo Sérine wächst – die ursprüngliche, selterne Form des Syrah, die feinere, komplexere Weine macht und auf diesen Hängen seit Generationen steht. Biodynamisch seit 1997. Pferde im Weinberg, wo die Steillage es erlaubt. Wo nicht wird mit Hacken gearbeitet.
Seit 2017 arbeitet Sohn Romain mit. Eine Handschrift, zwei Generationen.
In den 1950er Jahren war Condrieu fast verschwunden. Die Steillagen lagen brach, die Winzer waren abgewandert. Georges Vernay blieb. Er rodete, pflanzte neu, überzeugte andere – und rettete damit nicht nur eine Appellation, sondern eine Rebsorte.
Christine Vernay hat das Erbe ihres Vaters 1996 übernommen und weitergebaut. Biodynamisch, präzise, kompromisslos. 24 Hektar über drei Appellationen – Condrieu, Côtie-Rôtie, Saint-Joseph. Seit 2020 wird sie von Enkelin Emma unterstützt.
Vier Generationen zeigen, wozu diese Rebsorte fähig ist, wenn man ihr den richtigen Boden bereitet.
Xavier Gérard hat das Gut seines Vaters 2012 übernommen. Was er seitdem daraus gemacht hat, gehört zu den Entdeckungen der nördlichen Rhône.
Côte-Rôtie und Condrieu. Steile Terrassenlagen, manuell bewirtschaftet, auf dem Weg zur Bio-Zertifizierung. Syrah von den steilsten Hängen der Côte-Rôtie, Viognier aus Condrieu – präzise, schlank und von einer Eleganz, die man in dieser Appellation nicht immer findet.
Thibaud Capellaro hat Betriebswirtschaft studiert. Dann hat er aufgehört damit.
Er arbeitete bei André Perret, reiste nach Australien, kam zurück – und mietete sich einen Keller im Condrieu. Keine Familie im Weinbau, kein Erbe, keine Absicherung. Nur Parzellen, die andere nicht haben wollten, weil sie zu steil, zu schattig, zu aufwendig waren. Capellaro hat sie gerodet, Terrassen gebaut, Syrah gepflanzt.
Organisch bewirtschaftet, spontan vergoren, ohne Filtration. Die Weine sind direkt, ehrlich, und indifferent gegenüber Konventionen – genau wie ihr Winzer.
Jean-Pierre Monier und Philippe Perréol haben sich 2008 zusammengetan – zwei Winzer mit derselben Überzeugung, die unabhängig voneinenander denselben Weg gegangen waren.
12 Hektar Saint-Joseph. Syrah auf Granit, in Höhenlagen über dem Rhônetal. Biodyamisch bewirtschaftet mit Pferd im Weinberg und Ausbau in Beton. Weine von stiller Präzision – kaum bekannt dem breiten Publikum, aber seit Jahren eine Adresse für die echten Kenner.
Die Familie Tardy hat lange Trauben an Guigal verkauft. Super Trauben, aus absoluten Top-Lagen. Irgendwann haben sie entschieden, sie selbst zu verarbeiten.
Heute bewirtschaften Charles und Francois Tardy 26 Hektar Crozes-Hermitage – biodynamisch natürlich. Sie setzen auf Handlese und spontane Vergärung. Marsanne und Roussane – Weine, die zeigen, was Crozes-Hermitage kann, wenn es ernst genommen wird.
Florian Buit hat in Beaune gelernt. Bei Jean-Louis Chave. Besser kann man nicht anfangen.
2018 war der erste eigene Jahrgang. 10.000 Flaschen. Biologisch bewirtschaftet und minimaler Eingriff im Keller. Syrah und Marsanne aus Crozes-Hermitage – präzise, direkt, mit einer Klarheit, die man von einem Debüt so nicht erwartet hat.
Cyril Courvoisier hat nicht geerbt. Er hat gesucht.
Er hat Jahre bei Domaine Colomobo in Cornas gearbeitet – genug Zeit, um zu verstehen, welche Lagen wirklich zählen. 2011 hat er Terrassen übernommen, die seit den 1940ern brachlagen. Organisch, Pferd im Weingarten. Der Keller nach Gravitationsprinzip gebaut. Kein Kompromiss, der nicht bewusst getroffen wurde.
Die Domaine Lionnet baut seit 1575 in Cornas an. Corinne Lionnet hat das Weingut 2003 von ihrem Vater übernommen – und mit ihrem Mann Ludovic Izerable einen Neustart gemacht, der keiner war. Organisch, traditionell, kein Filter, kein Firlefanz.
4 Hekater. Sieben Parzellen in Cornas, Reben zwischen 40 und über 100 Jahre alt. Alles per Hand gearbeitet. Vinifikation mit Stiefeln, Ausbau in großen alten Fässern, Schwerkraft statt Pumpen.
Thierry Allemand, die Legende des Cornas, ist nicht bekannt für Komplimente. Über Ludovic sagt er: „Er macht sehr gute Arbeit.“
Guillaume Gilles hat bei Jean-Louis Chave gelernt. Dann bei Robert Michel – einer der prägenden Figuren des Cornas. Als Michel 2007 in Rente ging, überließ er Gilles seine Parzellen im Chaillot und seinen Keller im Herzen des Dorfes.
Manche Übergaben sind Zufälle. Diese war Absicht.
2,5 Hektar auf steilsten Granitterrassen, organisch bewirtschaftet, komplett per Hand gearbeitet. 5.000 Flaschen pro Jahr – nicht mehr.
Laure Colombo ist mit dem Cornas-Erbe ihrer Eltern aufgewachsen. Dann ist sie weggegangen, hat studiert – um 2014 mit ihrem Partner Dimitri Roulleau-Gallais zurückzukommen. Nicht um anzuknüpfen. Sondern um etwas Eigenes aufzubauen.
Auf 500 Metern Seehöhe, auf Granit, haben die beiden einen vernachlässigten Bauernhof in ein biodynamisches Weingut verwandelt. Schafe, Kühe, Gemüsegarten, Weinberge – alles gehört zusammen.
